Ich empfinde ja eigentlich nichts Besonderes gegen die amerikanische Kultur – Halloween allerdings ist mir irgendwie unverständlich geblieben, haben wir doch mit Sankt Martin eine mehr als adäquate Alternative und verkleidet wird sich an Karneval (und da haben wir Rheinländer oft auch mehr als ein Kostüm pro Session, man will ja vorbereitet sein).
Nun, Rede komma Sinn: Der Kollege hier am unteren Bildrand spricht mir aus der Seele und ich mache mich eh über das Wochenende wieder mal auf in Richtung Mosel, bin ja gespannt, ob in “meinem” Eifelnest die Kinder von Haus zu Haus ziehen werden.
Es ist selten, dass mich heutzutage etwas wirklich berührt, klar, gibt es immer mal wieder regressive Momente, in denen ich vor Glückseligkeit oder tiefer Melancholie heulen mag – diese sind aber ganz selten und vermutlich kommen sie bei mir genau so oft vor wie bei jedem anderen Menschen auch, sind also nichts Besonderes.
Was aber etwas mehr als Besonderes ist: Wenn ein junger und talentierter Mensch, der weiß, dass er bald sterben wird, sich hinstellt und diese Erkenntnis in Musik umsetzt. Ehrlich, offen und so direkt, dass einen das Hören der Songs mitunter dermaßen einfängt, dass zwischen Ausschalten und sich Völlig-darauf-einlassen keine Zeile passt.
Breathless oder Jonathan Schnee, wie der junge MC mit bürgerlichem Namen hieß, wusste, dass er sein Leben nicht lange leben würde: Er litt an Mukoviszidose und als er die Tracks für sein zweites Album Krank vor Wut schrieb, war ihm klar, dass er seine verbleibende Zeit schnell zu nutzen hatte.
Und nun sitze ich hier, mit einem Schauer im Nacken und wünsche mir, dass vielen Menschen das Glück zuteil, die Intensität der Raps von Jonathan zu erfahren. Er hat zwar nicht umsonst gelebt – eher im Gegenteil, denn sein Bewusstsein dürfte keine Erweiterung nötig gehabt haben – aber es wäre schon klasse, wenn vielen Menschen das Werk Jonathans näher gebracht würde.
Und an dieser Stelle auch noch Props an Kels und Baker, die beiden haben nach Breathless’ Verscheiden sein Album vollendet und künmmern sich nun darum, Krank vor Wut zu promoten und tragen Sorge dafür, dass die Einnahmen aus dem Verkauf an die richtige Stelle gehen.
Wer mehr wissen möchte, kann sich auf der myspace-Seite von Breathless umschauen und morgen Abend wird Jörg in seiner Soulsender-Show souleil auch einiges dazu zu erzählen haben.
Und zum Abschluss lasse ich – trotz Freiheit/MMW und Teebeutelterrorismus – Curse zu Worte kommen:
Ich bin ja keiner von denen – sieht man mal von dem Blag ab, dessen Eltern meinen, dass Schreiübungen am frühen Samstagmorgen gut für das Gedeihen des Kleinen seien und die unglücklicherweise nach einigen gefühlten Jahren Umbaulärm nun ihren, meinem Schlafzimmer zugewandten, Hof als Plattform für ebenjene Übungen ihres kleinen Ungeheuers nutzen. Oder aber, froh sind, wenn der Dezibelmeister sich außerhalb des Wohnzimmers, hinter der großzügigen Doppelverglasung, verlustiert.
Nachbarn als Kollateralschaden, fällt mir nur dazu ein.
Apropos Kollateral und Schaden: Wenn man sich überlegt, dass 8jährige in den Staaten einfach mal auf der Messe ‘ne Uzi in die Hand kriegen und damit Schießübungen machen dürfen, hey, da kann man doch nur von den unbegrenzten Möglichkeiten schwärmen und hoffen, dass sich die Waffennarren selbst erledigen.
Aus aktuellem Anlass – ein Kunde fragte mich eben, ob ich auch FC-Fan sei, heute geht es gegen die Pillen aus Rechtsrheinkusen – musste ich doch noch mal kurz beim Spiegel die Lobeshymnen verschiedener Autoren an ihre Vereine nachdemFC durchwühlen.
Ich muss Marc Schürmann größtenteils auch recht geben: Wer leiden will, wird FC-Fan. Ich glaube aber auch, dass dies nur in Köln mit so einer Leidenschaft gelebt werden kann – welche Stadt kann von sich behaupten, emotional katholischer zu sein? Münster? Ach ne, katholischer vielleicht, aber für Emotionen zu westfälisch. Tübingen? Verkopft! Und so weiter.
Und das macht mich einerseits stolz, als alter Lateiner weiß ich aber andererseits auch, dass diese Eigenschaft ein großes Quäntchen Dummheit beinhaltet.
Aber, wir haben uns das ja selber eingebrockt und ausgesucht und das Schlimmste ist: Ich kann auch nicht wirklich vom FC lassen und selbst Prinz Lukas hat sich standhaft geweigert, hochdeutsch zu lernen und in Bayern heimisch zu werden und wenn wir dann am Ende mit einem Punkt vor den Bayern die Saison überstehen¹, wird Poldi die berechtigte Frage stellen: “Wat sull isch denn hä?” und Hoeneß in Erklärungsnöte bringen.