Meisner und die Bild-Zeitung, ein dynamisches Duo.

Allerdings nicht dynamisch genug, um den Dingen komplett auf den Grund zu gehen, denn…

BILD: Wieso unterstellte man dem Papst Sympathien für Anti-Semiten?

Meisner: Das war eigentlich ein Medienskandal. Medien haben den Auftrag, schwer Verständliches erst mal verständlich zu machen. Darum heißen sie so. Das aber ist in diesem Fall vor allem in Deutschland völlig misslungen. Erst nach Wochen war allen klar: Der Papst hat keinen Holocaustleugner rehabilitiert. Der Papst. wusste nichts von den unsäglichen Äußerungen Bischof Williamsons. Und die Aufhebung einer Exkommunikation ist auch keine Rehabilitierung. Der Mann darf jetzt vor allem wieder beichten und die heilige Kommunion empfangen.

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BILD: Warum greifen ausgerechnet Deutsche den Papst so heftig an?

Meisner: Wahrscheinlich haben die Deutschen ein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein. Sie brauchen immer Sündenböcke. Vor allem haben sie ein schwieriges Verhältnis zu Autoritäten. Sie übertreiben es gerne. Früher vergötterte man die Obrigkeit, heute ist jede Autorität von vorneherein fragwürdig. Viele Deutsche merken es gar nicht, wie lächerlich wir uns in aller Welt mit dieser Papstmäkelei machen.

Zu der ersten Frage und Antwort kann ich nur sagen: Nope, der Williamson ist Holocaustleugner und eine Wiederaufnahme in die katholische Kirche kommt, zumindest nach außen hin, einer Rehabilitierung verdammt nah. Abgesehen davon, dass natürlich die christliche Kirche an sich auf antisemitischer Basis fusst, haben doch die Juden damals den Leithammel der angehenden Kirche gekreuzigt – wenn man dem Märtyrermythos Glauben schenken mag. Hm, ein Gedanke, der mir gerade dabei einfällt: Warum kommt die westliche Welt dann so wenig auf die Märtyrer-Attentate der Muslime klar? Frei nach Pispers würden die für ihren Glauben sterben. Aber, das ist ja generell was anderes und ich schweife ab.

Und zur zweiten Frage: Ach, Herr Meisner, Sie denken also nicht, dass man grundsätzlich kritisch sein sollte? Ah, ne, geht ja nicht, dies ist mit dem blinden Vertrauen, das Religionen ja brauchen – auch Glaube genannt – überhaupt nicht vereinbar. Aber, wir reden hier über Fakten. Und Millionen von unschuldigen Toten, die die Deutschen zu verantworten haben, zwar nicht meine oder die Generation meiner Eltern, aber Sie sollten froh sein, dass hier Worte auf die Goldwaage gelegt werden. Aus Ihrer Sicht ist dies natürlich unangenehm, nur, diese Art von Lächerlichkeit begrüße ich dann doch eher als die lächerliche Wiedereinführung des lateinischen Hochamtes und anderer Idiotien, wie Goutierung des Opus Dei und Gleichgesinnter.

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