Jul
27
15:52Definitionsmachtgeilheit
Die Rubrik: Parteitag/BDK der Grünen 2009, Snippets, What do I think about: Meinungen |
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Es ist schon erstaunlich, dass nach der diesjährigen BDK der Grünen und der dort statt gefundenen Diskussion um die Internetzugangssperren sich nun Matthias Güldner, ein prominenterer Grüner – immerhin ist er Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft – mit einem Kommentar nach vorne wagt, bei dem ihm klar sein muss, dass er damit innerhalb der eigenen Partei anecken muss.
“Der Tor des Monats” möchte man da schon Herrn Güldner entgegen rufen, aber leider deutet die Chose auf etwas ganz anderes hin, denn wenn Güldner in Wahlkampfzeiten bei den Welt-Lesern punkten will und zwar gegen den Green New Deal, der auf der BDK09 als Wahlprogramm seiner Partei verabschiedet wurde, in Verbindung mit seinen Worten
Die Auseinandersetzung um die Internetsperren dreht sich im Kern aber gar nicht um die – bisher konsensuale – Bekämpfung der Kinderpornographie. Es geht vielmehr knall hart um Definitionsmacht in Zeiten der Virtualisierung der Welt.
und
Die Tatsache, dass diese Community viel Zeit in virtuellen Räumen verbringt, spielt dabei eine große Rolle. Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für reale Politik hält, scheint davon auszugehen, dass Gewalt keine Opfer in der Realwelt fordert. Anders kann die ignorante Argumentation gegen die Internetsperren gar nicht erklärt werden.
dann ist dies wohl eher ein Zeichen der Unzufriedenheit mit der Linie der eigenen Partei und des Unverständnisses, wie soziale Abläufe im Netz von statten gehen.
Ich würde nun gerne Dieter Nuhr zitieren, wenn es nicht schon so abgedroschen wäre und das zu Grunde liegende Problem verwässern würde:
Denn, wenn wir mittlerweile (dank des virtuellen Raums) vereinfachte Mittel und Wege haben, uns politisch zu äußern und somit auch aktiv unsere Meinungsfreiheit nutzen, zu bloggen, uns bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken auszutauschen, Informationen über twitter zu verteilen, dann ist dies aus Sicht der Menschen, die dies nicht so leben, wie wir es tun, anscheinend erstmal Kindergarten und irrelevant für den gesellschaftlichen Diskurs.
Allerdings, was die da draußen nicht wissen, ist uns bereits völlig klar: Wir leben in einem Wandel der Kommunikation, die Wege werden immer kürzer und es wird wesentlich leichter, Menschen direkt zu erreichen und zu mobilisieren – so sie denn Internetzugang haben – und die Demokratie kann davon eigentlich nur profitieren.
Vielleicht ist dies Herrn Güldner aber auch schon klar und er hat schlichtweg Angst davor, dass wir ihn überflügeln und die Art und Weise, wie viele heutzutage noch Politik verstehen, als überflüssig betrachten und es begrüßen, wenn diese zu großen Teilen dort gelandet ist, wo sie hin gehört: In den Schutthaufen der Geschichte.
Und dann wäre es auch nur folgerichtig, die User zu diffamieren und als eh schon nicht mehr im wirklichen Leben klar kommende Nerds darzustellen, diese könnte man – wenn man sich beeilt, denn wir Netizens sind den Politikern in der Regel 2-5 Schritte voraus – wohl auch der großen Wahlvolkmasse leichter als Tunichtgute verkaufen, deren Meinung eh unmaßgeblich ist.
Vor Jahren habe ich noch gedacht, dass der Information Warfare eine inter-nationale Angelegenheit werden würde, heute sieht es eher so aus, als ob die Politiker sich hier auf die klar Sprechenden stürzen.
Nun gut, es bleibt ja in Eurer Hand, wem Ihr Eure Stimme gebt. Dass die (noch) großen (noch) Volksparteien diese im Grunde genommen nicht verdienen, bzw. sich dieses Jahr komplett diskreditiert haben, wenn man einigermaßen mündig ist, liegt auf der Hand. Und bei den kleinen Parteien sollte man auch prüfen, wem man sein Vertrauen schenkt. Aber dafür gibt es ja Abgeordnetenwatch und den Wahl-O-Mat …
Und bevor ich es vergesse: Sie bewegt sich doch.
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