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Gedanken aus dem Analogen

Was den digitalen Standard meines Lebens anbetrifft, gibt es keine großen Unterschiede zu einem 80-jährigen Ich bin nicht bei facebook.

Ich besitze keine Digitalkamera.

Ich höre Schallplatten statt Mp3s.

Und: Ich brauche meinen Lesestoff in Papierform.

So kam ich auch nie auf die Idee, ein blog zu betreiben. Ich gebe zu, dass mir das internet ein Stück weit unheimlich ist. Die Idee, überall Spuren zu hinterlassen, die Gottweißwer nachverfolgen kann, gefällt mir nicht. Es wird also niemanden verwundern, dass ich mir über den Nutzen von kleinskis bloggertätigkeit erst einmal klar werden musste.

In der Wahrnehmung des internets und seiner Einbindung in den Alltag sind wir grundverschieden. Wo ich mit Skepsis an einen digitalen Leviathan denke, sieht er das Netz als weiten, hierarchielosen Gestaltungsraum, dessen Freiheit es zu bewahren gilt. Das ist sein großes Thema.
Mich musste diese Denkweise natürlich anfangs befremden. Meinungen vertrete ich eher im kleinen Kreis und in direkter Diskussion, als im virtuellen Plenum. Bei Restaurantbesuchen bleiben meine Teller in der Regel unfotografiert, ebenso die Gesichter meiner Mitmenschen auf Parties. Musik poste ich nicht, sondern lege sie zu Hause auf. Ich bin also mehr der anachronistische Typ und konnte partout nicht nachvollziehen, was jemanden dazu bringt, seine Eindrücke mit einer unübersehbaren, anonymen Welt zu teilen. Möglichst wenig im internet aufzufallen war und ist mein Credo.
Anlässlich des nun gefeierten Jubiläums begann ich, darüber nachzudenken, woher die Motivation zur Veröffentlichung des Privaten stammen könnte und ich glaube zu verstehen, worum es kleinski mit seinem blog geht.
Mir fiel auf: Als ich einige Monate im Ausland verbrachte, ging ich besonders oft auf die Seite. Meine Möglichkeiten, persönlichen Kontakt zu halten, waren eingeschränkt und das sonst übliche, spontane Mittag- oder Abendessen mit kleinski musste ausfallen. Der Besuch der Seite war da eine schöne Möglichkeit, Vertrautem in der Fremde zu begegnen.
So sehe ich das blog nun nicht als Akt der Selbstdarstellung, sondern als eine Möglichkeit, Meinungen, Erlebnisse und Genüsse zu teilen, um sie für sich selbst zu verstärken und  Impulse für andere zu setzen. Ein umgekehrtes Tagebuch also, das nicht nach Innen beobachtet, sondern nach Außen dokumentiert und so nicht der Abgrenzung, sondern der Gemeinsamkeit dient.

Mit diesem Gedanken kann ich etwas anfangen. Vielleicht kommt irgendwann sogar das facebook-Profil.

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