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Zu Odonien und der Subkultur in Köln, dies, das.

Ein paar lose und unsortierte Gedanken zum Thema Odonien und dem Komplex Subkultur

In den letzten Tagen ist hier einiges aufgewühlt worden und die Stimmung sehr schnell gereizt, wenn die “Schließung Odoniens” erwähnt wird. Ich habe Kommentare gelesen und Mails erhalten, die sich dahin gehend deuten lassen, dass die Leitung Odoniens Auflagen nicht erfüllt hat, denen sie seit Jahren unterliegt und kann auch verstehen, dass von städtischer Seite der Bedarf besteht, Unglücken, wie bei der Love Parade in Duisburg geschehen, vorzubeugen.

Dennoch war ich Sonntag auf der Kundgebung am Rudolfplatz und habe mir angehört und angesehen, was die verschiedenen Teilnehmer zum Ausdruck gegeben haben. Leider kam mir, bis auf den Redebeitrag von Pfarrer Hans Mörtter, etwas zu kurz, dass wir hier grundlegendere Probleme als die Schließung einer einzigen Venue haben – auch wenn ich gerne in Odonien gefeiert habe.

Denn, was mich betroffen macht, ist nicht, dass ein Veranstaltungsort geschlossen wird, der seine Auflagen nicht erfüllt. Das ist ein ganz normaler und nachvollziehbarer Vorgang.

Nur, dieser spezielle Fall ist deshalb so brisant, da es sich bei Odonien um die bekannteste und fast letzte linksrheinische Outdoor-Veranstaltungsstätte für Subkultur handelt. Und sich der Vorfall in einige Beobachtungen einreiht, die ich in letzter Zeit gemacht habe.

Der Reihe nach: Am Wochenende lagen wir grillend im Grüngürtel und wurden Zeuge, wie zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes eine benachbarte Gruppe zur Ordnung rief und ihr den Betrieb einer rollenden Boombox untersagte. Die 35,-€ Bußgeld muss ich nicht erwähnen, höchstens die Tatsache, dass der Sound bei weitem nicht die ganze Wiese geflutet hat. Auf unserer relativ nah gelegenen Decke konnten wir ungestört unsere Musik über einen kleinen Lautsprecher am Handy hören.

Ebenfalls wurde ich am Wochenende enttäuscht, als wir von einer Party, die spontan unter einer Rheinbrücke stattfand, zum Beat BBQ zu Jack in the Box fuhren. Die Brückenparty war schön und hatte eine tolle Atmosphäre, nur war der Bass zu knapp und die Musikauswahl entsprechend. Immerhin war wesentlich mehr los als auf dem ehemaligen Ehrenfelder Güterbahnhof, wo der Nachmittag entspannt und schön anfing. Bis es dann nachts zu den typischen Anwohnerbeschwerden kam.
Da passt die Geschichte um den Brüsseler Platz ganz gut. Klar ist: Wer dort wohnt, hat am Wochenende die Arschkarte gezogen – es sei denn, der- oder diejenige ist lärmresistent. Offensichtlich ist aber auch: Köln braucht offene Plätze, an denen man sich sammeln und kommunizieren kann. Dazu gehört mitunter ein Lautstärkepegel, der auch von der Lebendigkeit einer Stadt kündet. Die Alternative vom Reißbrett, das Kulturdeck am Aachener Weiher, ist in meinen Augen eher für Plastikraves geeignet beziehungsweise als Einflugschneise zum städtischen Vortasten der Bewohner der umliegenden Gemeinden. Und hat mit Subkultur soviel zu tun, wie Aldi mit Tante Emma.

Und deshalb muss man fragen: Wem nützt es, wenn tausend Menschen nicht feiern können, weil zwanzig ihre (vermutlich wohlverdiente) Ruhe einfordern? Versteht mich nicht falsch: Ich möchte nicht am Brüsseler Platz wohnen, der wochenendliche Lärm, verursacht durch die Besucher des Undergrounds und der Live Music Hall, die sich im Morgengrauen häufiger – und gerne trunken brüllend – auf meiner Straße tummeln, reicht mir schon.
Aber ist es nicht ab und zu an der Zeit, dass die Interessen von wenigen den Interessen vieler untergestellt werden? Im kölschen Karneval funktioniert dies auch. Keiner, der nach Köln zieht, kann sich darüber beschweren, dass in den jecken Tagen ganz Köln steil geht, Chaos herrscht und die Straßen aussehen, als wären Sodom und Gomorrha die Vorgärten des Paradieses. Wer in der Stadt wohnt, der darf sich nicht wundern, dass es gelegentlich laut wird. Am Meer kann es auch nach Salz riechen.

Die Tendenz zu mehr Ruhe, Ordnung und – vermeintlicher – Sicherheit, die sich wahrnehmen lässt, finde ich bedrohlich. Bedrohlich für ein kommunikatives Stadtleben, das Impulse generiert, Subkultur als Impulsgeber zulässt und so dafür sorgt, dass wir in einer lebendigen, sich stetig verändernden und somit zukunftsgewandten Gemeinschaft leben. 

Köln ist nicht nur Lindenthal.

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