Ich war eben mal draußen, Brot kaufen und die Atmosphäre auf der Venloer Strasse einatmen, dabei weiß ich gar nicht, ob die Anspannung nun da war oder nur ich diese so empfand, aber ein Mannschaftswagen der Polizei vor der Haustür und dann auch deren noch einige im Veedel verteilt, werden nicht nur mich nicht kalt gelassen haben.
Überhaupt ist es interessant, festzustellen, dass Pro Köln und die Moschee so ein Thema sind, dass sich Menschen einfinden, die wegen der Gegenproteste aus ganz Europa einreisen, eben erfuhr ich von Finnen, die sich von Düsseldorf (heute schreibe ich das mal aus
) aufmachen werden, um sich morgen einzureihen und den Zugang zum Heumarkt gegen die Revisionistenbande zu blockieren.
Interessant und brisant finde ich auch folgende Aussagen:
Am Freitagabend will Pro Köln dann an unbekanntem Ort unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine interne Veranstaltung abhalten, auf der auch eine “Erklärung” beraten werde. Im Grunde sei dies das einzige Element mit “Kongress-Atmosphäre”, so Beisicht
[ via ]
Gegen 15.35 Uhr machte die Polizei der geplanten Bustour ein Ende. Beamte überreichten „Pro Köln“ auf dem Schiff eine schriftliche Verfügung, wonach die Bustour mit den geplanten Stopps an der Ehrenfelder Moschee und in der Keupstraße untersagt sei. Die Polizei sprach bis auch mehrere Platzverweise aus. Einsatzleiter Michael Temme begründete das Verbot damit, die Stadtrundfahrt sei eine “nicht hinzunehmende Provokation”. “ProKöln spielt mit uns Katz und Maus und agiert mit Unwahrheiten”, so Temme.
und
Die Polizei hatte zunächst Mühe, sich auf die unübersichtliche und für sie überraschende Situation einzustellen, da Pro Köln nicht über den Ort ihrer Veranstaltung informiert hatte.
[ via ]
Und wenn dann, wie mir eben ein Freund via skype berichtete, nahezu das gesamte Rheinufer und die komplette Altstadt voller Polizeibeamten ist, die ich im Übrigen für Ihren heutigen Einsatz bedauere, muss man sich doch fragen, ob nicht die mangelnde Bereitschaft Pro Kölns mit der Polizei zusammen zu arbeiten, in die Richtung geht: So kriegen wir Schlagzeilen, egal was es kostet, wir zahlen es ja nicht.
Denn Beisichts Satz: “Im Grunde sei dies das einzige Element mit Kongress-Atmosphäre” deutet in meinen Augen darauf hin, dass an diesem sogenannten “Kongress” weniger Substanz dran ist, als in ‘nem Hamburger von $FASTFOODKETTE. Viel Rauch und Geldverschwendung wegen nichts — und das ist der eigentliche Skandal, denn Pro Köln dürfte dies vorher bereits bekannt gewesen sein. Ist ja auch interessant, wie man einen Kongress abhalten will, dessen einziger, leicht verklausulierter Inhalt ist, dass man gegen Ausländer Stimmung macht, Inhalte, hallo?
Ich denke, Le Pens Einschätzung und Reaktion auf die Windeier vom Rhein spricht Bände und wenn man sich dann, nach der letztjährigen Demo – die mehr dem Ausflug der geriatrischen Abteilung als einer Demonstration ähnelte – auch noch die technische und personelle Unterstützung des Vlaams Belang sichern muss, damit der “Kongress” stattfinden kann, da muss man auf der einen Seite neidlos anerkennen, dass eine rigorose Minderheit hier einen heftigen Wellengang verursacht und – dies ist das Schönste – auf der anderen Seite man muss auf jeden Fall feststellen, dass der sogenannte Anti-Islam-”Kongress” Pro Kölns eine unglaubliche Solidarität erzeugt, sich die Menschen bunt einreihen und gegen die faschistische Bande Stellung beziehen.
Und nun kommen wir zu einem Knackpunkt: Denn bedauerlich ist es, dass, angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit der Gegendemonstranten, leider immer noch einige Idioten darunter sind, die nicht kapieren, dass Gewalt kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein darf. Abgesehen davon, dass dies in den rechts konservativen bis faschistischen Medien natürlich den Fokus verschiebt.
Ein weiterer Knackpunkt: Denn was auch nicht unter den Teppich gekehrt gehört ist die Tatsache, dass es Dialogbedarf gibt zwischen Muslimen und Demokraten, denn vieles, was unter dem Deckmantel der Religion geschieht, aber aufgrund unseres demokratischen Systems als menschenunwürdig zu bewerten ist, sollte näher betrachtet werden. Der Koran steht nicht über sondern unter dem Grundgesetz, wie jede andere religiöse Schrift auch. Und es gilt, eine Form zu finden, in der beides in o.g. Hierarchie miteinander funktionieren kann. Ich für meinen Teil lehne jedwede Religion als Hokuspokus ab, stehe aber jedem das Recht zu, seine Religion auszuüben, solange es nicht die Rechte anderer verletzt.
Es kann beispielsweise nicht angehen, dass hierzulande Menschen mit einer Fatwa belegt werden und irgendein fanatischer Depp meint, er müsse Gott zu Befehl diese vollstrecken, das ist unerträglich.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch auf den Zentralrat der Ex-Muslime und auf die Bruno-Giordano-Stiftung hinweisen, deren Position meiner am nächsten entgegen kommt.
Für die Länge und die leichte Unstrukturiertheit des Textes entschuldige ich mich direkt mal und morgen Abend oder Sonntag gibt es dann ein kleines Resümee zu dem heißen Samstag in der Kölner Altstadt.